Kurzinfos

Klasse Betriebssystem 16-Bit
Datenträger 3,5 Zoll Disketten
Preis 1991 OS/2 1.3 Standard-Edition: 200 €
Preis 1991 OS/2 1.3 Erweiterte Edition: 1000 €
Markteinführung USA OS/2 1.0 April 1987
Markteinführung USA OS/2 1.1 Oktober 1988
Markteinführung USA OS/2 1.2 November 1989
Markteinführung USA OS/2 1.3 November 1990

OS/2 1.x

Das IBM-Microsoft OS/2 ProjektMS-OS/2

Mitte der Achtziger litt IBM unter dem wachsenden Druck von zahllosen Herstellern von IBM-PC kompatiblen Rechnern, man verlor bald die Marktführerschaft und so dachte man sich eine neue PC Generation aus, da diese neue eigenentwickelte Elemente besitzen sollten, erhoffte man sich hier einen Technologievorsprung vor den Mitbewerbern. Letztlich wurde diese Computerserie um den 80286 Prozessor von Intel herum gebaut, wenngleich die spätere PS/2 (Personal System/2) Serie auch ein paar Sparangebote mit älteren Prozessoren gab.

Da man bereits zu DOS 3 Zeiten an die architektonischen Grenzen dieses Systems stieß, keimte der Wunsch bei vielen nach einem leistungsfähigeren Nachfolger auf, diesen wollte IBM mit der neuen Rechnerserie zusammen mit Microsoft erfüllen.

Das neue System sollte Multitasking bringen, definierte Schnittstellen für Programmierer (unter DOS gab es immer wieder Probleme mit unsauberen Programmen, die zum Beispiel undokumentierte Funktionen nutzten, deren Existenz bei einer neuen Version nicht immer noch vorhanden war), das ganze Betriebssystem sollte nicht von einem Programm abgeschossen werden können und man wollte eine grafische Benutzeroberfläche.

Das ganze Wunder sollte den Namen Operating System /2, bzw. kurzlebig auf Deutsch Betriebssystem/2 heißen: OS/2 oder BS/2.

Von jeder Version sollte es drei Versionen geben:

  • MS OS/2, primär vertrieben von OEM Herstellern (Tandy, Compaq, ...)
  • IBM OS/2 Standard Edition
  • IBM OS/2 Erweiterte Edition, diese Version exklusiv nur bei IBM zu bekommen brachte eine Datenbank und einen Kommunikation Manager aus eigenem Hause, und war primär für Unternehmen gedacht.

Der Unterschied zwischen den MS und IBM Standardversionen ist sehr gering, die Microsoft Versionen bringen allerdings deutlich mehr Treiber mit, während sich IBM auf die Unterstützung eigener Hardware beschränkt.

OS/2 Version 1.0

Die erste Version wurde im April 1987 vorgestellt und scheiterte am eigenen Anspruch. Die grafische Benutzeroberfläche fehlte, sie war nie fertig geworden, stattdessen gab es eine teilweise menügeführte Bedienung, welche an DOS angelehnt, im reinen Textmodus arbeitete.

Das Multitasking funktionierte, erforderte allerdings viel Arbeitsspeicher und vor allem spezielle OS/2 Programme. Man konnte genau ein DOS Programm in einer Art virtuellen Umgebung laufen lassen. Dieses war auch noch auf 640 KB Speicher beschränkt, welche im ersten Megabyte des Speichers liegen musste. Diese Einschränkungen sind durch die Verwendung des 80286 Prozessors entstanden, erst der Nachfolger, für den sich angeblich Bill Gates stark bevorzugt hätte, der 80386 erlaubte einen leichteren Umgang mit solch virtuellen DOS Umgebungen.

Leider gab es zur Markteinführung wenig angepasste OS/2 Programme, die Mehrzahl der Benutzer wollten ihre DOS Anwendungen weiternutzen. Diese waren häufig unsauber geschrieben, nutzten Tricks ohne Ende und liefen am Ende nicht unter OS/2 oder brachten bis zu dieser Erkenntnis das System zum Absturz.

Ein weiteres Problem war die Treiberversorgung und damit auch die Stabilität des Systems. IBM nennt die Systemvoraussetzungen folgendermaßen:

  • IBM Personal System /2 Modelle 50, 60 oder 80
  • IBM PC AT
  • IBM PC XT Modell 286

Bei anderen PCs sah es deutlich schlechter aus, ich zitiere einen Artikel der 1991 in der c’t anlässlich der ersten Jahre OS/2 erschien: "Auf Rechnern ohne die drei Buchstaben glich bereits die Installation einem Glücksspiel, ..."

Dies ist auch der Grund weshalb keine Screenshots hier für die ersten Version zu finden sind, die Installation ist einfach ein gewaltiges Hindernis, ob virtuell oder einige geteste Althardware: Nur nichtssagende Fehlermeldungen.

Ansonsten sei noch erwähnt, dass das Multitasking System der Zukunft nur maximal 16 MB Speicher (eine Beschränkung auf Grund der 16-Bit 286 CPU) beschränkt war, und es noch mit FAT Partitionen bis maximal 32 MB Arbeiten konnte.

Umschalten konnte man parallele Anwendungen mit STRG+ESCAPE.

Galerie OS/2 1.1

OS/2 Version 1.1

Die Version 1.1 bekommt den schon für die erste Version versprochenen Grafischen Aufsatz, namens Presentation Manager. Die grafische Gestaltung wurde je nach Sichtweise auch für Windows 2 übernommen, allerdings bietet die OS/2 GUI einige Elemente, die so erst in späteren Windows Versionen kamen. Landete man in Windows 2 direkt in der Dateiverwaltung, gibt es unter OS/2 schon eine Art Programm-Manager.

Durch die neue Oberfläche wurden die Möglichkeiten von Multitasking offensichtlicher und umfangreicher, man konnte jetzt 16 Programme mit Presentation Manager Oberfläche starten, 16 Textbasierende OS/2 Programme und 12 Vollbildanwendungen. Weiterhin aber nur eine DOS Anwendung.

Das Angebot an OS/2 Programmen wuchs, aber gerade Programme, die den Presentation Manager nutzten waren nicht häufig. Meistens wurden nur DOS Programme neu für OS/2 kompiliert.

OS/2 konnte jetzt auch Festplatten mit FAT16 bis 2 GB Partitionieren.

Immer mit gestartet werden der Task Manager, der Drucker Manager und die Konsole. Das Dateisystem ist in einem separaten Fenster. Der Dateimanager hat auch zwei Ebenen. Eine für Ordner, eine für die Verzeichnisinhalte.

OS/2 führte auch einige Tastenkürzel ein, die noch heute Bestand haben.

An Zubehör wird kaum etwas geboten, ein paar Kommandozeilenprogramme für Disketten, einen
Editor, eine Systemsteuerung und eine Hilfe.

Galerie OS/2 1.3

OS/2 Versionen 1.2 und 1.3

Mit der Version 1.2 kamen einige Neuerungen zu OS/2 hinzu. Zum einen wurde die Oberfläche erneut geändert. Diese kann man in der Windows Reihe ebenfalls wieder finden, denn Windows 3.0 benutzt das gleiche Aussehen.

 

Viel tiefgründiger ist die Einführung eines neuen Dateisystems: HPFS (High Performance File System), welches später sogar noch von NT 3.xx unterstützt wurde.

HPFS bietet besseren Schutz vor Datenverlust, erlaubt Dateinamen bis zu 255 Zeichen und unterstützt Partitionen bis 64 GB.

Die Extended Version kam auch schon mit TCP/IP Unterstützung für das Ethernet.

 

Was auffällt ist das trotz 11 Installationsdisketten kaum Programme mit installiert werden, nicht mal eine einfach Bildbearbeitung, nur Tools zum konvertieren und Anzeigen. Die restlichen Programme beschränken sich fast nur auf die Datenträgerverwaltung. (siehe Bild)Ein sehr gutes davon ist das "Fixed Disk Utility" das FDISK in nichts nachsteht, sondern noch übertrumpft.

Es gab auch Server Version, man kann die Reihe also mit Windows NT vergleichen. Der Vergleich ist insofern besonders treffend, da aus der frühen Alphaphase von OS/2 3.0 NT hervorging. Man hatte nämlich bei Microsoft die übernächste Version begonnen, als man noch nicht wissen konnte, dass die Zusammenarbeit mit IBM 1991 beendet werden würde.

Es gibt auch eine Reihe an Features, die direkt an das spätere NT erinnern. So kann man den Desktop sperren, und mit einem Passwort versehen.

Auch ist ein Dualbootfunktion enthalten, die es ermöglicht, entweder in OS/2 1.3 oder in DOS zu starten. Allerdings ist sie nicht ganz so komfortabel, wie bei NT, denn sie erfordert einen Neustart des Rechners, und erlaubt nicht ein vorgeschaltetes Menü.

Wie bei NT auch, ist DOS nicht nötig. So beendet man OS/2 1.3 einfach durch ein Beenden, nicht durch ein Herunterfahren.

Galerie Lieferumfang

Lieferumfang

OS/2 ist sehr selten als Retailpaket zu bekommen. Der Marktanteil war nicht sehr hoch und die allermeisten Pakete wurden als OEM und dabei die allermeisten über IBM vertrieben.

IBM setzte damals auf die beliebte Schuberpackung. Dies ist ein Ringordner in einer Kartonhülle. In den Ringordner sind zum einen das Handbuch, aber auch die Disketten eingebracht. Erst später wechselte IBM zu den normalen Kartons, in denen einfach Datenträger und einzelne Handbücher mitgeliefert wurden.


Schuber 1 von IBM OS/2 1.0 Extended Edition

Schuber 2 von IBM OS/2 1.0 Extended Edition


Schuber von IBM OS/2 1.1

IBM OS/2 1.3 Erweiterte Edition

Fazit

OS/2 1 war technisch sehr ambitioniert, konnte sich am Ende nicht durchsetzen. Das hatte mehrere Gründe. Der erste liegt in IBMs Wunsch das System für den 286 anzupassen zu lassen, dieser war technisch aber zu beschränkt, gerade im Umgang mit DOS Anwendungen in einer Multitasking Umgebebung. Ein 386er wäre hier die bessere Wahl gewesen, wenngleich es die bereits so bestehenden Hardwarevorraussetzungen noch weiter gesteigert hätte. Viele Rechner waren schlicht zu langsam für OS/2, dazu das Treiberproblem zusammen mit der wählerischen Hardware brachten OS/2 einen sehr schlechten Start ein. Erst die Version 1.3 lief bei vielen Leuten zufriedenstellend.

Der nächste Punkt ist die nur geringe Softwareauswahl zum Start, verbunden mit der eingeschränkt funktionierenden DOS Kompatibilität.

Ein Problem für OS/2 wurde besonders mit dem 1990 erscheinenden Windows 3.0 die starke Konkurrenz auf derselben Plattform. Schon mit Version 2 wurde Windows für den 386er angepasst, virtuelle DOS Umgebungen liefen hier deutlich besser.

Wie ging es weiter?

Microsoft und IBM entwickelten die Version 2.0, die vieles besser machen sollte: Unter anderem sollten Windows (3.0) Programme ausführbar sein, sowie sollte das System für den 386 Chip optimiert werden und damit ein 32-Bit Betriebssystem werden. Während der Entwicklung kühlte sich das Verhältnis der beiden Partner deutlich ab, Microsoft setzte am Ende auf Windows und die Kooperation wurde beendet. IBM entwickelte OS/2 alleine weiter, wenngleich man gegenseitige Quellcodeeinsicht vereinbarte. Daher kann OS/2 2.1 Windows 3.1 Programme ausführen, und NT 3.51 das HPFS Dateisystem nutzen.

Der Markterfolg war aber auch unter OS/2 2 eher mäßig, wenngleich gerade in Deutschland eine größere Gruppe Privatanwender gewonnen werden konnten. Spätestens mit den Warpversionen (also 3 und 4) hat IBM vor allem Großkunden in der Banken- und Versicherungsbranche bedient.

Allerdings gibt es noch eine wichtige Entwicklung, die man nicht verschweigen sollte. Als OS/2 2 entwickelt wurde, beschäftigte Microsoft sich schon mit der Entwicklung von OS/2 3.0, diese Arbeitsgruppe wollte ein Multitasking & Multiuser Betriebssystem auf 32-Bit Basis fürs Netzwerk schaffen, und diese Entwicklung endete in der Schaffung von NT 3.1.

Wenn man sich jetzt die technischen Verwandschaften der Microsoft Produkte vor Augen führt, kann man sehen, dass die DOS-basierenden Windows Versionen bis einschließlich Windows ME mit dem Durchbruch von Windows XP ausstarben. XP basierte auf Windows 2000, und worauf basierte Windows 2000? NT! NT ist aber quasi OS/2 Erbe und damit ist das aktuelle Windows 7 mit OS/2 1.0 mehr verwandt als mit Windows 1.0. Technisch betrachtet, wie gesagt.

Für sich genommen ist es aber eine Kuriosität unter den Microsoft Systemen für den PC.

Systemvorrausetzungen Minimal 1.0 Minimal 1.3
Prozessor 286 CPU 286 CPU
Arbeitsspeicher 2 MB, 4 MB empfohlen, maximal 16 MB 3 MB, 4 MB empfohlen, maximal 16 MB
Festplatte 10 MB, max 32 MB Partitionen 30 MB, max 2 GB Partitionen
Laufwerk 3,5 Zoll Diskettenlaufwerk 3,5 Zoll Diskettenlaufwerk

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